Trauerbewältigung - Abschied vom Sternenkind

Trauerbewältigung – Trauern um ein Sternenkind

„Mein Kind ist gestorben.“ Das Wort „tot“ brachte ich viele Jahre nicht über die Lippen. Es hörte sich hart und grausam an. Das tut es heute auch noch. Doch inzwischen habe ich den Tod meines Sohnes akzeptiert. Die aktive Trauerbewältigung und das Zulassen der steten Trauer um mein Sternenkind prägten mein Leben sehr. So sehr, dass ich meine Erfahrungen mit dir teilen möchte. In der Hoffnung, dass es dir hilft.

Wenn das geliebte Kind stirbt

Der Tod des eigenen Kindes ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Er hinterlässt eine sinnlose Leere und bringt eine abgrundtiefe Dunkelheit ins Herz. Und doch es ist möglich, die Trauer zu bewältigen und ein glückliches Leben danach zu führen. Das zu erreichen, ist Arbeit, Trauerarbeit. Die härteste und langwierigste Arbeit, die ich jemals bewältigt habe.

Steckst du derzeit in einer der 4 Phasen der Trauer fest und weißt nicht, wie du sie bewältigen kannst? Dann lies gern weiter. Ich berichte davon, wie ich es geschafft habe und was mir und anderen Sternenmamas beim Trauern um unsere Sternenkinder geholfen hat.>

Vielleicht ist auch etwas dabei, was dir hilft. Schließlich gibt es bei der Trauerbewältigung kein Patentrezept. Jeder Mensch trauert anders. Du musst herausfinden, was dir guttut.>

Warum aktives Trauern um das Sternenkind wichtig ist

Wenn ein Kind stirbt, ist das ein einschneidendes Erlebnis für jeden Angehörigen. Besonders schlimm ist es jedoch für die Eltern und Geschwister der Sternenkinder.

Auch Großeltern, Tanten, Onkel und entferntere Verwandte trauern oft sehr. Der kleine Mensch war doch schon Teil der Familie.

Ein Kind sollte nicht vor den Eltern sterben. Hier stimmt die Reihenfolge einfach nicht!

Wenn Großeltern sterben, die ihr Leben ausgekostet haben, ist der Tod wahrlich leichter anzunehmen. Sterben die Eltern, die in der Blüte ihres Lebens standen, fällt das Annehmen des Todes schon schwerer. Doch wenn das eigene Kind stirbt, verliert man den Glauben, das Urvertrauen, seine eigene Sicherheit.

Nichts ist mehr, wie es mal war. Und es wird auch nie mehr so werden.

Der Tod gehört zum Leben dazu.

Dennoch gehört der Tod zum Leben dazu!

Du musst die Trauer zulassen, um sie aktiv zu bewältigen und schließlich den Tod annehmen zu können. Auch den eines Kindes. Nur so wirst du wieder in der Lage sein, nach vorne zu blicken.

Was hilft bei der Trauerbewältigung?

Unsere Kinder nehmen bereits mit dem positiven Schwangerschaftstest ihren Platz in unseren Herzen und in der jeweiligen Familienkonstellation ein.

Freunde und Verwandte werden nach und nach eingeweiht und freuen sich ebenso auf den Nachwuchs. Genau diese Menschen sollten nach dem tragischen Unglück die größte Hilfe bei deiner Trauerbewältigung sein und das meiste Verständnis für die Trauer um dein Sternenkind aufbringen.

Das ist leider nicht immer der Fall. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Wir Menschen sind einfach zu unterschiedlich. Auch wenn ich über meinen Verlust reden konnte, konnten es andere nicht. Und Kommunikation ist, wie in allen anderen Bereichen des Lebens, ein wichtiger Schlüssel für eine glückliche Zukunft.

Daher sind das meine TOP 5 Trauerbewältigungstipps, die mir beim Trauern um mein Sternenkind geholfen haben:

1. Offene Aufbahrung

Man tritt dem Tod gegenüber! Es ist grausam, sein eigenes Kind im Sarg liegen zu sehen. Oft sogar verstörend. Aus diesem Grund würde ich niemandem empfehlen, es gegen seinen Willen zu tun, nur weil es mir geholfen hat.

Eine schöne Trauerrede bei der Beerdigung kann bereits tröstend und hilfreich genug sein, um seinen Frieden mit dem verstorbenen Kind zu machen.

Offene Aufbahrung

2. Eine liebevolle Beerdigung für das Sternenkind

Je nachdem, wie weit die Schwangerschaft vorangeschritten war, haben Sternenkind-Eltern ein Anrecht oder sogar die Pflicht, ihr Kind bestatten zu lassen. Dieser Schritt ist schmerzhaft, aber auch äußerst wichtig für den eigenen Trauerprozess.

Eine Beerdigung ist das Sinnbild des Todes. Wenn man sie bewusst erlebt und mitgestaltet, ist das die beste Gelegenheit, den endgültigen Abschied vom Kind zu begreifen. Das ist der letzte Gang, den man gemeinsam mit seinem Kind geht.

Blumen und Grabschmuck nach der Beerdigung

Dabei spielt es keine Rolle, ob es eine Erd-, Baum-, Luft- oder Seebestattung oder bei ganz früh im Mutterleib verstorbenen Kindern eine Sammelbestattung ist. Allein das Erlebnis des Abschiednehmens vom Sternenkind kann auf dem weiteren Weg der Trauerbewältigung helfen.

3. Erinnerungen lebendig halten

Ein Kind, von dessen Existenz du bereits wusstest, auf das du dich gefreut hast und das plötzlich wieder gehen musste, bleibt unvergessen. Daher ist es wichtig bei der Bewältigung deiner Trauer, dein Kind in Erinnerung zu behalten.

Wenn dein Kind schon gelebt hat und du Erinnerungsstücke wie Fotos, Videos oder handgemalte Bilder hast, ist das am besten.

Erinnerungen an das Sternenkind lebendig halten

Ist dein Kind jedoch während der Schwangerschaft gestorben, kannst du dir nachträglich noch Erinnerungen schaffen: Klebe die Ultraschallbilder in ein kleines Album ein, dazu Hand- und Fußabdrücke sowie eine Haarsträhne, falls nach der stillen Geburt daran gedacht wurde.

Du kannst dein Kind sogar in das Geburtenregister eintragen lassen, um so seine Existenz auch schriftlich zu haben. Hefte die Urkunde einfach in dein Stammbuch ein. So wird es immer bei dir und deiner Familie seinen Platz haben.

Ein ganz besonderes Andenken ist ein Tattoo. Mit Namen und Lebensdaten oder sogar einem Portrait des Sternenkindes unter der Haut trägst du deine Liebe ganz offen für alle nach außen. Die Trauer ist so allgewärtig, die Erinnerung aber auch.

Mein persönliches Andenken an meinen Sohn ist das Buch „Eine Handvoll Sonnenschein“.

Ich begann direkt nach seinem Tod, eine Art Tagebuch zu schreiben. Dieses therapeutische Schreiben heilte meine Seele und war ein großer Anker während meiner Trauerbewältigung.

Sternenkindbuch "Eine Handvoll Sonnenschein" von Stefanie Goldbrich

Dich interessiert meine persönliche Sternenkind-Geschichte? Lies hier die Kurzfassung oder erfahre


Um sich wunderschöne Erinnerungen an sein Sternenkind zu schaffen, gibt es heute unendlich viele Möglichkeiten. Und das ist gut so. Denn anstatt den Schmerz zu verdrängen, wenn er plötzlich wieder auftaucht, kannst du dein Andenken zur Hand nehmen und in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit schwelgen. Anfangs wahrscheinlich noch in Demut, irgendwann aber mit Freude und Dankbarkeit.

4. Trauer um das Sternenkind anvertrauen

Der Kindstod ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Kaum jemand traut sich darüber zu reden. Genau deswegen fühlen sich die meisten Sternenkind-Eltern allein. So auch ich damals.

ABER es gibt Menschen, die offen damit umgehen können oder zumindest Verständnis haben. Diese Menschen können dich gut auf deinem Weg der Trauerbewältigung unterstützen, wenn du ihnen deine Trauer um dein Sternenkind anvertraust.

Auch wenn sie deine Gefühle nicht nachempfinden können, kannst du all deinen Schmerz offen aussprechen. Das hilft ungemein. Oder ihr schweigt miteinander. Das kann auch sehr tröstend sein. Vielleicht gibt es eine Freundin oder Tante, die für dich kocht, einkaufen geht oder ab und zu saugt. Auch diese Art der Unterstützung ist von immenser Bedeutung, denn alltägliche Aufgaben bedürfen im „Leben danach“ größter Anstrengung.

Schäme dich nicht deswegen! Das ist völlig normal und Teil deiner Trauer. Deswegen bitte um Hilfe, wenn du es nicht allein schaffst oder jemanden zum Reden brauchst.

Andere Sternenkind-Eltern wissen am ehesten, wie es dir geht. Sie haben schließlich ähnliche Erfahrungen gesammelt. Wenn du jedoch keine verwaisten Eltern kennst, kannst du dich jederzeit an einen Sternenkinder- oder Sterneneltern-Verein wenden. Diese wurden meist von Sternenkind-Eltern gegründet. Hier wirst du in jedem Fall gut aufgefangen.

Um einen Verein in deiner Nähe zu finden, schaue gern beim Bundesverband verwaiste Eltern in Deutschland e.V. (kurz VEID) vorbei. Dort findest du eine Liste aller Vereine und ihren Ansprechpartnern. Ich engagiere mich übrigens im Verein Unsere Sternenkinder Rhein Main.

Bundesverband verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V.

Möchtest du lieber anonym bleiben? Dann kannst du dich in Online-Foren anmelden oder dich mit anderen Betroffenen in den sozialen Medien austauschen. Ihr könnt euch gegenseitig von euren Sternenkindern erzählen und somit eure Trauer anvertrauen. Teile deine Lieblingsmomente und bekomme gleichzeitig neue Impulse, die dir bei deiner Trauerbewältigung helfen. So wirst du langsam in einen neuen Alltag finden. Mit deinem Sternenkind im Herzen.

5. Sich und anderen Gutes tun

Helfen hilft.

Diesen Spruch habe ich einmal auf der Website des Vereins Sternenzauber und Frühchenwunder e.V. gelesen.

Kurz, knapp und so wahr!

Viele Sternenkind-Eltern engagieren sich ehrenamtlich. Sie gründen Selbsthilfegruppen, um Betroffenen einen Raum für ihre Trauer zu geben. Dabei entdecken sie selbst immer wieder neue Perspektiven der Trauer, die sie für ihre eigene Trauerbewältigung nutzen können.

Aus Selbsthilfegruppen sind schon oft Vereine entstanden, die gezielte Maßnahmen für frisch verwaiste Sternenkind-Eltern anbieten. Möglichkeiten der aktiven Trauerbewältigung, die man selbst gern gehabt hätte.

Keine Angst, du musst nicht sofort einen Verein gründen, um Gutes zu tun. Wie wäre es, wenn du einfach einem beitrittst? Eine Mitgliedschaft kostet meist zwischen 20€ und 30€ pro Jahr. Ob und wie du dich darüber hinaus beteiligen möchtest, entscheidest du selbst.

Trauerbewältigung - sich und anderen Gutes tun

Oder du schaut dich nach anderen Optionen um, Gutes zu tun. Ich bin z.B. seit April 2022 im Team Sternenband. Das kleine Armband ist DAS Erkennungszeichen für Sternenkind-Eltern und soll Betroffenen helfen, sich im echten Leben zu erkennen. Die Herzensinitiative wurde von Nadija Frank gegründet. Sie ist zwar keine Sternenkind-Mama, hatte jedoch einige Berührungspunkte mit diesem Tabuthema in ihrem Leben. Nadija spürte, dass sie helfen muss, und so entstand 2017 die Idee zum Sternenband. Seitdem setzt sie alles daran, Sternenkind-Eltern zu unterstützen.

Trauerbewältigung von Geschwistern

Trauerbewältigung von Geschwistern

Stirbt ein Kind, hinterlässt es nicht nur verwaiste Eltern, sondern oft auch verwaiste Geschwister. Auch die lebenden Kinder haben sich bereits auf ihr Geschwisterchen gefreut, sich eine glückliche Geschwisterbeziehung vorgestellt und vielleicht schon gemeinsame Streiche ausgedacht.

Kinder trauern ebenfalls. Nur meist unhörbar. Und oftmals ist dies ihr erster Kontakt mit dem Thema Tod. Kindergartenkinder und noch jüngere Kinder verstehen die Endlichkeit noch nicht. Dennoch spüren sie genau, wie schlecht es ihren Eltern geht. Schulkinder hingegen begreifen unter Umständen schon, dass ihr Geschwisterchen nicht (mehr) nach Hause kommt.

Auch hier ist eine offene Kommunikation wichtig. Kinder denken anders! Nicht selten kommt es vor, dass Kinder davon ausgehen, es wäre ihre Schuld. Denn genauso wie Erwachsene zweifeln Kinder.

Einige wünschten sich möglicherweise lieber kein Geschwisterchen, weil sie dann Mama und Papa teilen müssten. Oder sie sind sauer auf das Baby, weil die Mama während der Schwangerschaft für einige Wochen im Krankenhaus bleiben muss, und somit nicht zu Hause ist. Dass ihre Gedanken vollkommen normal sind und der Tod des Geschwisterchens NICHT ihre Schuld ist, darf man ihnen gern sagen. Auch ungefragt!

Kinder benötigen Unterstützung bei der Trauerbewältigung, auch wenn sie nicht danach fragen. Sie müssen das Trauern lernen. Ähnlich wie Erwachsene. Allerdings können sie die auftretenden Gedanken und Gefühle noch weniger zuordnen als Erwachsene. Gelegentliches Fragen und aktives Antworten, sollten doch einige Fragen aufkommen, helfen den Kleinen enorm. Schon um zu merken, dass sie nicht allein damit gelassen werden und dass sie sich mit jeder noch so schwierigen Angelegenheit an seine Eltern wenden kann.

Trauerbewältigung von Sternengeschwistern

Die lebenden Kinder also vermeintlich zu schützen, indem man leichter verdauliche Geschichten über der Verbleib des Geschwisterchens erfindet oder gar nicht auf Fragen antwortet, ist in jedem Fall der falsche Weg. Sei greifbar, wenn dein lebendes Kind Fragen hat, antworte so einfach wie möglich (auch wenn es dir schwer fällt) und höre dir an, wenn dein Kind über seine Gefühle spricht.

Lass sie bitte ebenso an deiner eigenen Trauer teilhaben. Schließlich lernen Kinder durch Nachahmung. Lernen sie, dass der Tod zum Leben gehört, Schicksalsschläge passieren und sie sich Hilfe in schwierigen Zeiten holen können, werden sie offener mit diesem Thema umgehen. Ihr Leben lang!

Mut für ein weiteres Kind?

Nach einer Weile wirst du beginnen, deinen Verlust anzunehmen. Du wirst den Tod deines Kindes akzeptieren, denn es kommt nicht mehr zurück. Und es gibt auch kein Ersatz für dein Sternenkind. Jedes Kind ist einzigartig und wird geliebt!

Dennoch haben viele Frauen und auch Männer nach dem Tod ihres Kindes weiterhin Sehnsucht nach einem Baby. Schließlich waren sie darauf eingestellt, ein Kind beim Großwerden zu begleiten. All die Liebe und all die Pläne für die Zukunft, das möchten viele nicht einfach in einer Schublade wegsperren. Sie möchten sich ihren Traum erfüllen, weswegen bei vielen Sternenkind-Eltern der Wunsch nach einem Regenbogenbaby noch größer ist als zuvor.

Andere verwaiste Eltern können sich das hingegen gar nicht vorstellen. Einige kommen sich wie Verräter vor, auch nur ein neues Baby zu denken. Und dann gibt es noch die Sternenkind-Eltern, die sich kein weiteres Kind zutrauen. Sie möchten sich nicht auf ein neues Baby einlassen – aus Angst, es wieder hergeben zu müssen und erneut den fiesen Schmerz zu erleben. Schließlich geht man mit einer weiteren Schwangerschaft das Risiko ein, erneut sein Kind gehen lassen zu müssen. Dazu sind viele nicht bereit.

Ob es für dich und deine Familie richtig ist, den Mut aufzubringen und ein weiteres Baby zu bekommen, das musst du für dich entscheiden. Diese lebensweisende Entscheidung kann dir niemand abnehmen. Oftmals hilft es hier, erst einmal seine akute Trauer zu bewältigen, sein Leben neuzuordnen und die anstehenden Höhen und Tiefen zu meistern, die es nun bereithält.

Aber eins steht fest: Ein weiteres Kind kann und wird dir bei der Trauerbewältigung helfen. Es lässt all deine Wünsche und Vorstellungen, die du bereits bei deinem Sternenkind hattest, in Erfüllung gehen. Wenn du das ausleben kannst, was du dir einst ausgemalt hast, wirst du dich mit deinem Schicksal versöhnen. Es heilt deine Seele und lässt dich Frieden mit dir selbst schließen. Allerdings nur, wenn DU es wirklich möchtest.

Mut für ein weiteres Kind

Fazit: Trauerbewältigung

Von seinem Sternenkind Abschied nehmen und es loslassen, heißt nicht, sein Kind zu vergessen. Die Trauerbewältigung dient dazu, sein Leben ohne das geliebte Kind weiterführen zu können – in einer Art, die für einen selbst lebenswürdig ist. Kein verstorbenes Kind hätte gewollt, dass seine Eltern und Geschwister ihr Leben lang trauern. Es möchte, dass du glücklich bist.

Daher mein Appell an dich: Lass die Trauer zu!

Trauere aktiv, tue, was dir guttut, und verbanne alles, was dir nicht guttut. Auch wenn dein Leben für eine Weile anders verläuft als bisher und du Familienmitglieder oder Freunde meiden musst. Es fügt sich später alles wieder zusammen. Jeder muss den Verlust deines Kindes verarbeiten!

Trauern braucht Zeit. Und die sollte sich jeder nehmen, um danach wieder positiv in die Zukunft blicken zu können.

Wie ich das geschafft, erfährst du in meinem Buch. Hier habe ich neben meinem Kinderwunsch, der Geburt, dem kurzen Leben meines Sohn auch meinen Weg der Trauerbewältigung beschrieben. Und ja, ich bin wieder glücklich und trage meinen Sohn voller Stolz im Herzen.

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